BI lebenswertes Korbach

Pl?ne kommen öffentlich auf den Tisch

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KORBACH. Mitte Oktober soll der Antrag für das geplante Conti-Heizkraftwerk öffentlich ausgelegt werden.

Welche Folgen die Müllverbrennung für die Bewohner hat, dies beleuchtet ein „humantoxikologisches Gutachten", das längst im Genehmigungsverfahren vorgeschrieben ist. Die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Korbach fordert indes weit mehr: Vor dem Bau eines Kraftwerks soll erst mal die schon bestehende Belastung am Standort genau untersucht werden. Die Bilder gleichen sich: Im hessischen Heringen gibt es um ein ähnliches Projekt die gleiche Diskussion - noch weit emotionaler geführt.

„Korbachs Luft bleibt sauber", „Wir haben nichts zu verbergen", betonen Kraftwerksbetreiber MW Energie (Mannheim) und Conti seit einem Jahr. „Bestmögliche Filtertechnik" und „ Vorbelastungsuntersuchung" fordern dagegen mit Vehemenz die Skeptiker. Dazu gehören die Bürgerinitiative für ein lebenswertes Korbach, Naturschutzbund, Ärztenetz Waldecker Land bis hin zur Grünen-Fraktion im Stadtparlament. Deren Antrag auf ein „humantoxikologisches Gutachten" im Vorfeld des Kraftwerkbaus fiel vor Tagen allerdings politisch durch - gegen die große Mehrheit im Parlament.

Unterschriften für und wider

Auch die Unterschriftensammlungen wogen hin und her. Da sammelte erst die Bürgerinitiative im Sommer ein dickes Paket an Stimmen, dann präsentierte Anfang Juli der Conti-Be-triebsrat rund 2400 Unterschriften für den Bau des Kraftwerks. Für Politik und das Regierungspräsidium Kassel als Genehmigungsbehörde ist es eine Gratwanderung: Niemand will Conti als größtem heimischen Brötchengeber (rund 3000 Beschäftigte) schaden, andererseits darf es bei der Gesundheit der Menschen „keinen Rabatt" geben, wie SPD-Sprecher Helmut Schmidt vor Monaten betonte.

Statt eindeutiger Stellungnahme zogen sich die Korbacher Stadtverordneten aber mehrheitlich in die Ecke der Beobachter zurück: Es gebe Gesetze und strenge Normen in Deutschland, die mögliche Gesundheitsrisiken ohnehin ausschließen sollen. Zudem hatte die Bürgerinitiative zuvor bereits einen formellen Antrag auf eine Voruntersuchung beim RP überreicht.

Toxikologisches Gutachten

Was in den Wortgefechten zuletzt fast untergegangen ist: Eine humantoxikologische Betrachtung des geplanten Kraftwerks ist längst Bestandteil des Genehmigungsverfahrens beim Regierungspräsidium (RP). Bei der öffentlichen Auslegung der Antragsunterlagen muss Betreiber MW also auch Fakten über die gesundheitlichen Folgewirkungen auf den Tisch legen, bestätigt RP-Sprecher Michael Conrad.

Das Fazit legte MW im Juni bereits im Rathaus auf den Tisch: Die zusätzlichen Schadstofflasten durch das Kraftwerk seien zu vernachlässigen, die Grenzwerte würden um ein Vielfaches unterschritten (wir berichteten).

Hitzige Debatten in Heringen

Der feine Unterschied zur Forderung der Bürgerinitiative: Das im Genehmigungsverfahren verankerte Gutachten orientiert sich an bestehenden Informationen, erklärt Conrad - ob Emissionen, Filtertechnik, Schornsteinhöhe oder Windrichtung. Eine zusätzliche Untersuchung über Vorbelastungen am Industriestandort Korbach sei das nicht. Solche Messungen nehmen bis zu einem Jahr in Anspruch.

Ähnliche Debatten laufen derzeit parallel im hessischen Heringen. Dort will die K+S AG (Kali und Salz) ein Heizkraftwerk nutzen, das Müllreste verfeuert - über dreimal so viel wie in Korbach geplant. Der Heringer Bürgermeister Hans Ries, vormals Grünen-Abgeordneter im Kreistag, hatte sich persönlich für das Projekt eingesetzt. Ein Jahr lang blieb die Debatte zunächst ruhig, bis sich im Sommer 2006 vor allem Protest aus der thüringischen Nachbarschaft formierte. Die Stimmung ist aufgeladen: Bei einem Informationstermin verwies eine Frau auf eine Krebsoperation und zeigte mitten im Saal auf Narben an ihrem blanken Oberkörper. Und der Bürgermeister erhielt einen markigen Drohbrief aus Thüringen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung jüngst zitierte: „Du alte Wessisau!"

Im Vergleich zu derlei Auswüchsen verlief die Diskussion in Korbach bislang sachlich - und sollte es auch bleiben: Am 16. Oktober werden die Antragsunterlagen des Betreibers MW öffentlich ausgelegt. Danach gibt es eine Frist für mögliche schriftliche Einwände, dann einen öffentlichen Anhörungstermin, bei dem auch die Forderung der Bürgerinitiative auf den Tisch kommt.

Quelle: WLZ vom 3. Oktober 2006

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